Wirksamkeit von Online-Psychotherapie

Die Wirksamkeit von psychotherapeutischen Online-Interventionen ist gut belegt und wird in einigen anderen Ländern bereits in der Standardversorgung eingesetzt, doch in Deutschland hält die Debatte zur Bestimmung des gesetzlichen Rahmens hierfür an (nähere Infos).

Was heißt das genau, Online-Psychotherapie?

Der Begriff Online-Psychotherapie beschreibt eine therapeutische Zusammenarbeit zwischen einem Patienten und einem Therapeuten, welche mittels internetbasierter Kommunikationsmedien in den Kontakt treten statt sich, wie im herkömmlichen Sinne der Psychotherapie, persönlich in der Praxis zu treffen. Auch gibt es webbasierte Programme, die von den Patienten eigenständig zur Selbsthilfe genutzt werden können.

Online-Angebote können in drei Kategorien unterteilt werden:

  1. vollautomatisierte Ansätze ohne Kontakt zu einem echten Psychotherapeuten
  2. begleitete Selbsthilfeprogramme, die von einem echten Psychotherapeuten begleitet werden
  3. internetbasierte Kommunikationsmedien ermöglichen den direkten Kontakt zwischen Patient und Psychotherapeut.

Erstere schneiden in Studien am schlechtesten ab, denn sobald der therapeutische Kontakt ein gewisses Maß unterschreitet, können Online-Interventionen nicht mehr Schritt halten. Sie erscheinen zunächst wirksam, verlieren ihre Effektivität jedoch in den follow-up-Erhebungen, also bleibt der Erfolg langfristig aus. Ganz anders sieht dies jedoch bei den als 2. und 3. Version gelisteten Optionen aus: ihre Effektivitiät ist teilweise mit der einer konventionellen face-to-face-Psychotherapie vergleichbar, insbesondere bespielsweise bei leichten bis mittelgradigen Depressionen oder Angststörungen.

Wie kann sie sinnvoll eingesetzt werden?

Internetbasierte Psychotherapie kann als Rückfallprophylaxe, Überbrückung von Wartezeiten und Prävention bei Gefährdetengruppen (eher 1./2.), Nachsorge eines stationären Aufenthalts oder ergänzend zu einer face-to-face Psychotherapie (eher 2./3.) eingesetzt werden. Bisher ist sie, zumindest in Deutschland, noch nicht anstatt einer konventionellen Psychotherapie erlaubt.

Welche Vorteile ergeben sich?

Die Psychotherapeuten sparen durch die telemedizinische Behandlung keine Zeit, sind also genauso ausgelastet wie bei dem Angebot von face-to-face Sitzungen, können ihre Patienten jedoch beiderseits ort- und zeitunabhängig betreuen – es muss einzig eine Internetverbindung aufgebaut werden können. Die Patienten sparen umso mehr Zeit ein, insbesondere auf dem Land. Dort müssen oft die längsten Strecken auf sich genommen werden, um einen Psychotherapeuten zu erreichen. Doch auch innerstädtisch, in Großstädten, dauert die Wegzeit zur Praxis oft lang. Außerdem können Immobilitäten durch körperliche Einschränkungen oder beispielsweise einen schweren Pflegefall im eigenen Haushalt überwunden und auch Therapieunterbrechungen oder Abbrüche aufgrund eines Urlaubs oder Umzugs verhindert werden. Auch Sprachbarrieren können so leichter überwunden werden.

Wo sind die Grenzen von Online-Psychotherapie erreicht?

Bei schwer ausgeprägten psychischen Störungen, dissoziativer oder psychotischer Sympomatik oder aktuer Suizidalität gibt der enge persönliche Kontakt Halt und im letztgenannten Fall ist die Unterstützung vor Ort zur Einweisung in eine Klinik unabdingbar. Auch der sozialrechtliche (Kostenübernahme) und berufsrechtliche (Fernbehandlungsverbot) Rahmen schränken die Möglichkeiten der internetbasierten Psychotherapie ein, wobei hier aktuell viel passiert (bei Interesse hier klicken).

Mögliche Faktoren, die eine zögerliche Scheue bei dem Einsatz von Kommunikationsmedien bedingen könnten, sind mangelnde Vertrautheit mit dem Medium und Sorge um den Datenschutz. Letzteres kann mit entsprechend hohen Sicherheitsstandards auf Anbieterseite sichergestellt werden, während die Vertrautheit mit dem Medium gerade unter jungen Betroffenen bereits gegeben ist und in allen Altersklassen durch die zunehmende Digitalisierung unser Welt stetig zunimmt. In dem Fall könnte sich auch die Devise “Probieren geht über Studieren” ans Herz genommen werden und der Hilfesuchende sich Klick für Klick an das Tool gewöhnen, sowie die Anbieter die Handhabung möglichst verbraucherfreundlich gestalten.

Wie werden Online-Interventionen von unseren Nachbarn gehandhabt?

In anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise den Niederlanden, Großbritannien, Schweden und Dänemark, werden Online-Interventionen bereits sozial- und berufrechtlich unterstützt. Hier werden unter anderem Traumata, Depressionen und Angststörungen online behandelt.

FAZIT

Noch ist in der Online-Psychotherapie nicht alles erlaubt, aber Studien weisen darauf hin, dass internetbasierte Programme am effektivsten (und vor Allem auch mit konventioneller face-to-face-Therapie vergleichbar) sind, wenn sie nicht alleine vom Patienten durchgeführt werden, sondern ein therapeutischer Kontakt besteht. Daher bieten wir bei mentavio auch keine Selbsthilfeprogramme an, sondern bieten den webbasierten Kontakt zu echten Psychologen, Psychologischen sowie Ärztlichen Psychotherapeuten und Heilpraktikern für Psychotherapie.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat einen Leitfaden zur Bewertung angebotener Internet-Psychotherapieprogramme als Orientierungshilfe für Patienten herausgegeben.

Zu unserem anderen Artikel zur Wirksamkeit von Online-Therapie per Video bzw E-Mail und Chat geht es über diesen Link und wer sich gerne ausführlicher in Pro und Kontra-Argumentationen einlesen möchte, folgt bitte den entsprechenden Links zu zwei Artikeln aus dem Magazin Der Nervenarzt (2018).