Wenn sich von einem auf den anderen Tag alles ändert

Manchmal werfen belastende Ereignisse Menschen derart aus der Bahn, dass sie ihren Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigen können. Psychologen und Psychiater sprechen dann von der sogenannten Anpassungsstörung.

Im Laufe seines Lebens wird jeder Mensch mit den verschiedensten Arten von Belastung konfrontiert. Manche Ereignisse sind zwar in dem aktuellen Moment schlimm, haben aber keine langfristigen Auswirkungen. Natürlich fühlt man in dieser Situation Angst, Trauer oder auch Wut. Diese Gefühlsreaktion ist völlig normal und menschlich. Anders sieht es aus mit ernsten medizinischen Diagnosen, dem Tod eines Familienmitglieds oder eines Freundes sowie Scheidungen. Diese Situationen sind für einige regelrecht emotional überwältigend und nimmt Einfluss auf jegliche Lebensbereiche. Positive Erlebnisse werden nicht mehr als solche wahrgenommen, da die Negativität alles überstrahlt. Doch natürlich können auch andere Situationen eine Anpassungsstörung hervorrufen.

Ursachen
Welche Situation eine Anpassungsstörung auslöst, ist individuell verschieden und hängt von einigen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem:

  • die subjektive Wahrnehmung der Situation
  • Art und Intensität der Belastung
  • die psychische Widerstandfähigkeit des Betroffenen
  • das Vorhandensein eines festen sozialen Umfeldes, welches Rückhalt bietet

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Zudem muss der Charakter einer Person mit in Betracht gezogen werden. Wer auch in seinem geregelten Alltag eher ängstlich und emotional instabil ist, wird schneller mit einer Anpassungsstörung reagieren.
Nicht zu vergessen sind auch Kinder und Jugendliche. Diese zeigen eine Anpassungsstörung nach Ereignissen wie der Scheidung der Eltern, einem Schulwechsel oder Verlust von Freundschaften. Kinder fallen dabei häufig in kindliche Verhaltensmuster zurück, in besonders schwierigen Fällen bis zum Bettnässen. Jugendliche hingegen zeigen eher dissoziales Verhaltensweisen, reagieren auf ihre Umwelt also aggressiv, aufmüpfig und wenig sozial.

Symptome
Der Beginn einer Anpassungsstörung ist unterschiedlich. Meistens treten die ersten Symptome 2-6 Wochen nach dem einschneidenden Ereignis auf.
Zu den Symptomen gehören unter anderem:

  • Angst
  • Verzweiflung
  • depressive Verstimmung
  • Traurigkeit
  • Hilfslosigkeit
  • Überforderung
  • emotionale Instabilität

Zudem reagieren viele Patienten mit psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Problemen im Magen-Darm-Bereich und verringerter Konzentration.

Diagnose und Behandlung
Der erste wichtige Ansprechpartner ist der Hausarzt. Dieser kann einschätzen, inwieweit die aktuelle Lage eine normale Reaktion überschreitet und gegebenenfalls an einen Psychologen oder Psychotherapeuten überweisen.
Bei diesem wird dann häufig mit Hilfe einer Gesprächstherapie oder einer kognitiven Verhaltenstherapie versucht, die Symptome zu lindern und den Betroffenen aus dem emotionalen Tief zu helfen. Gleichzeitig sollte das Ziel sein, dem Patienten Strategien zu vermitteln, die ihm helfen, mit seinen Problemen selbstständig umzugehen und den Alltag wieder bewältigen zu können.
Bei besonders schweren Anpassungsstörungen werden eventuell auch Schlafmittel oder leichte Antidepressiva verschrieben. Wegen der hohen Suchtgefahr dieser Medikamente sollte das aber eher der letzte Ausweg sein.

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