Was sind Zwangsstörungen überhaupt?

Zwangsstörungen sind gekennzeichnet als Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen. Diese werden von den Betroffenen als sinnlos und unangenehm empfunden, dennoch können sie sich diesen Gedanken, Impulsen und Handlungen nicht entziehen.
Zwangsgedanken sind beispielsweise „Sobald ich einen spitzen Gegenstand in die Hand nehme, werde ich jemanden damit umbringen.“ oder „Wenn ich in der falschen Reihenfolge aufräume, wird mir heute etwas Schlimmes passieren.“ Diese Gedanken führen zu einer extrem hohen psychischen Belastung und Schuldgefühlen, obwohl das Gedachte höchst selten bis gar nicht vorkommt.
Zwangsstörungen werden zu den Angststörungen klassifiziert und das hat auch einen Grund: Zwänge sind nichts anderes als gescheiterte Versuche, die Angst zu minimieren.

Zu den häufigsten Zwangsstörungen gehören:

  • Waschzwang
  • Reinigungszwang, z.B. mehrfach tägliches Putzen der Wohnung
  • Kontrollzwang, z.B. ob der Herd ausgeschaltet und die Tür abgeschlossen ist
  • Ordnungszwang, z.B. das akkurate Ausrichten des Essbestecks zum Teller oder Symmetrie
  • Wiederholungszwang, z.B. immer wieder von 0 bis 100 zählen

Zwangsgedanken haben verschiedene Inhalte:

  • Religion – „Ich werde für meine Sünden bestraft werden.“
  • Kontrolle – „Wenn ich den Herd nicht ausgeschaltet habe, werde ich die Kontrolle über mein Leben verlieren.“
  • Aggressivität – „Ich darf kein Messer in die Hand nehmen, sonst werde ich jemanden erstechen.“
  • Magie – „Wenn ich nicht immer mit dem rechten Fuß zuerst aufstehe, wird mir etwas Schlimmes passieren.“

Von der Zwangserkrankung sind 2 – 3 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Häufig treten erste Symptome schon in der Kindheit auf. Die Erkrankung selbst tritt dann meist mit Anfang 20 ein. Nur bei 15% der Betroffenen beginnt die Erkrankung nach dem 30. Lebensjahr. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig an Zwangsstörungen, Männer im Durchschnitt jedoch fünf Jahre früher.
Dahinter lassen sich unter anderem genetische, aber auch neurobiologische Faktoren vermuten.  Nicht zu vernachlässigen sind auch die psychologischen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel die Erziehung, verunsichernde Erfahrungen in der Kindheit, negative Lebensereignisse wie der Tod einer nahestehenden Person und auch die allgemeine Persönlichkeit des Betroffenen spielt eine Rolle.
Ein bekanntes psychologisches Erklärungsmodell ist das kognitive Modell. In diesem geht es vor allem um die Bewertung und Verarbeitung solcher problematischen Gedanken. Das soll heißen, dass die Befürchtung an sich, jemanden zu verletzen, an sich nicht problematisch ist. Zu einem Problem werden diese Gedanken erst, wenn der Denkende besonders stark darauf reagiert und zum Beispiel Angst- und Schuldgefühle entwickelt. Zwangspatienten haben oft eine verzehrte Wahrnehmung von Risiken und trauen ihrer eigenen Wahrnehmung nicht.

Als therapeutisch wirksam hat sich die kognitive Verhaltenstherapie, aber auch die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva erwiesen. Je früher die Therapie ansetzt, desto besser ist die Erkrankung zu behandeln und schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Nur bei einem Teil der Patienten verschwinden die Gedanken und Symptome völlig, bei den meisten ist jedoch eine Intensitätsabnahme möglich, was oft schon reicht, um den Betroffenen Linderung zu verschaffen.

 

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Auf unserem Blog finden Sie auch Beiträge zum Thema Skin picking und Waschzwang!

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