Umstrittene psychologische Experimente l – Ethikkommissionen

Diese Woche erscheint eine dreiteilige Reihe bezüglich ethischer Fragen in psychologischen Versuchen und Beispielen solcher umstrittener Experimente. Nachdem wir heute über den Aufgabenbereich von sogenannten Ethikkommissionen berichten, folgt in dem nächsten Beitrag ein eben solches Experiment, welches vor der Etablierung solcher durchgeführt wurde und am Freitag, 21.12., schreiben wir über eine außergewöhnliche, zweiteilige Studie, welche allerdings vielmehr unethische Aspekte aufdeckte als selbst welche zu enthalten.

In unserer #hörenlesensehen-Reihe, welche wieder in der darauffolgenden Woche erscheinen wird, finden Sie unter anderem Beispiele von einem Film und Podcast, mit welchen Sie die vorgestellten Studien auf Wunsch weiterverfolgen können.

Heutzutage müssen Forscher, die eine Studie durchführen wollen, einen sogenannten Ethikantrag bei einer unabhängigen Kommission stellen. Das bedeutet, dass sie ihr Forschungsprojekt detailliert darstellen und angeben müssen, welchem Zweck es dient, wie es durchgeführt werden soll (inklusive der Probandenrekrutierung, also der Auswahl der Studienteilnehmer) und wie die erhobenen Daten gehandhabt werden sollen. Eine Ethikkommission beurteilt anschließend nach verschiedenen festgelegten Kriterien, ob die beantragte Studie ethisch und rechtlich vertretbar ist und die Sicherheit und Rechte der Probanden gewahrt werden. Sie wägt also den Erkenntnisgewinn und sogenannten gesellschaftlichen Nutzen gegen die mögliche Belastung der Teilnehmer ab (als Belastung wird auch die Zeit zum Ausfüllen von Fragebögen gewertet, welche nicht unnötig hoch sein sollte) und berät die Antragsteller dahingehend.

Doch dies war nicht immer der Fall. Bevor diese Ethikrichtlinien konzipiert und in Kraft getreten sind, konnten Forscher Studien planen und durchführen, ohne vorher geprüft zu werden. Aus diesen Versuchen haben wir viel gelernt, dennoch sträuben sich heutzutage eines jeden Forschers Haare, wenn man sich die Versuchsbedingungen genauer ansieht.

Nach welchen Kriterien wird nun also geurteilt, ob ein Forschungsprojekt ethisch und rechtlich vertretbar ist?

Es gibt acht forschungsethische Grundprinzipien:

  1. Sozialer Wert
  2. Wissenschaftliche Validität (entspricht es Wissenschaftsmethoden und kann das Ergebnis reproduziert werden?)
  3. Faire Auswahl der Studienteilnehmer
  4. Vorteilhaftes Nutzen-Risiko-Verhältnis (auch auf Patientenseite!)
  5. Unabhängige Begutachtung (durch die Kommission)
  6. Informierte Einwilligung (zur Studienteilnahme)
  7. Respekt gegenüber den Studienteilnehmern
  8. Gemeinschaftliche Teilhaberschaft (kann die Gemeinschaft, in der die Studie durchgeführt wird, an der Studie – und ihren Ergebnissen – teilhaben?)

Sie sind nur ein Teil der Beurteilungsgrundlage, auf deren Basis die Kommissionen entscheiden. Zudem sind ethische Grundsätze bereits tief im Beruf des Psychotherapeuten verankert, wie beispielsweise in der Musterberufsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) unter §3 Allgemeine Berufspflichten:

  1. Psychotherapeuten sind verpflichtet, ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihnen entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen.
  2. Bei der Berufsausübung sind die international anerkannten ethischen Prinzipien zu beachten, insbesondere
  • die Autonomie der Patienten zu respektieren
  • Schaden zu vermeiden
  • Nutzen zu mehren
  • Gerechtigkeit anzustreben.

Und §28 Psychotherapeuten in der Forschung:

  1. Psychotherapeuten haben bei der Planung und Durchführung von Studien und Forschungsprojekten die in der Deklaration von Helsinki 2013 niedergelegten ethischen Grundsätze zu beachten.

So wird versucht, die Interessen von Forschern, Probanden und der Gesellschaft zu vereineinen und gleichzeitig ihre Rechte zu wahren, damit unethische Forschungsprojekte nicht mehr durchgeführt werden können.

Alle bisher veröffentlichte Beispiele für umstrittene Experimente findet Ihr hier.