Überblick über die Berufsbilder in der psychologischen Beratung, Psychotherapie und Psychiatrie

Sie möchten wissen, welche Ausbildung ein psychologischer Psychotherapeut durchläuft, bevor er Klienten therapieren darf? Erfahren, was Psychiater und Neurologen machen, oder wie ein Heilpraktiker arbeitet? Dann empfehlen wir Ihnen die Lektüre des nachfolgenden Überblicks über die wichtigsten Berufsbilder im Bereich der psychologischen Beratung, Psychotherapie und Psychiatrie.

Psychologe

Ein Psychologe hat mindestens fünf Jahre an der Universität studiert und sein Studium mit einem Diplom bzw. Master of Science abgeschlossen. Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft, die das Ziel hat, das Erleben und Verhalten von Menschen zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen. Psychologen untersuchen Gesetzmäßigkeiten im System menschlichen Wahrnehmens und Denkens. Sie beobachten und analysieren das Verhalten von Individuen bzw. Gruppen und führen psychologische Behandlungen oder Beratungen durch.

Im Studium werden verschieden Fachgebiete wie Entwicklungspsychologie, Biologische Psychologie, Sozialpsychologie, Allgemeine und Differentielle Psychologie abgedeckt. Hinzu kommen Fächer wie Methodenlehre, Diagnostik, Gesprächsführung und Grundlagen der Psychotherapie. Psychologen führen häufig die testpsychologische Diagnostik durch und beraten hinsichtlich der weiteren Behandlung.

Klinische Psychologen betreuen Menschen, die z.B. unter Psychosen, Depressionen, Ängsten, Essstörungen oder Suchtproblemen leiden oder die nach Unfällen oder Gewalterfahrungen traumatisiert sind. Auch die Begleitung von Schmerz- und Palliativpatienten gehört zum Aufgabenbereich mancher Psychologen. Gesundheitspsychologen befassen sich mit der Erhaltung der Gesundheit sowie der Erforschung und Entwicklung gesundheitsfördernder und präventiver Maßnahmen, z. B. im Suchtbereich. Im Bereich der Jugend- und Familienhilfe begleiten Psychologen Konflikte im sozialen Zusammenleben, z.B. in Schule, Ausbildung und Familie. Arbeits- und Organisationspsychologen analysieren Ursachen und Auswirkungen der Arbeitsplatzgestaltung, optimieren z.B. allgemeine Rahmenbedingungen oder unterstützen einzelne Personen bei deren beruflicher Entwicklung und Entscheidungsfindung.

Viele Psychologen arbeiten außerdem in Forschung und Lehre, bei der Polizei (Forensik) oder in der Marktforschung/Werbung.

Psychologen sind keine Ärzte und dürfen keine Medikamente verschreiben.

Mehr als die Hälfte der Psychologen sind als Psychotherapeuten tätig. Psychologen, die psychotherapeutisch arbeiten wollen, müssen entweder eine Heilerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz erwerben oder eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolvieren.

Psychotherapeut

Die Bezeichnung „Psychotherapeut“ ist gesetzlich geschützt. Seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes erfordert eine Tätigkeit als Psychotherapeut eine mindestens dreijährige, staatlich geregelte Weiterbildung. Ein Psychotherapeut verfügt wie ein Arzt über eine Approbation, also eine staatlich anerkannte Zulassung zur Ausübung der Heilkunde. Er darf über gesetzliche Krankenkassen abrechnen.

Folgende Gruppen dürfen sich “Psychotherapeut” nennen:

  1. Psychologische Psychotherapeuten
    Diplom-Psychologen mit entsprechender Weiterbildung und Approbation
  2. Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten
    Diplom- Psychologen mit entsprechender Weiterbildung, spezialisiert auf Kinder und Jugendliche
  3. Fachärzte, deren Ausbildung Psychotherapie umfasst
    Fachärzte für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
  4. Ärztliche Psychotherapeuten
    Approbierte Ärzte mit Zusatz-Weiterbildung in Psychotherapie

Psychotherapeuten behandeln psychische Störungen mit Krankheitswert mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren. Diese sind: Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie.

Die behandelten Krankheitsbilder reichen von Ängsten, Zwängen oder neurotischen Depressionen über vegetativ-funktionelle und psychosomatische Störungen (z.B. Essstörungen, chronische Kopfschmerzen) bis zu schweren Traumatisierungen als Folge von emotionalen oder Schädigungen. Die seelischen Störungen, die ein Psychotherapeut behandelt, sind in der Regel der willentlichen Steuerung nicht mehr oder nur noch teilweise zugänglich. Zu den Aufgaben eines Psychotherapeuten gehören auch die Prävention bei Risikogruppen, die Rehabilitation nach körperlichen oder psychischen Erkrankungen und die begleitende Behandlung bei chronischen und/oder fortschreitenden Erkrankungen.

Psychotherapeuten dürfen Medikamente verschreiben und  mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.

Heilpraktiker (für Psychotherapie)

Heilpraktiker für Psychotherapie sind Therapeuten mit der Erlaubnis zur Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz (HPG). Es gibt Heilpraktiker, deren Tätigkeit auf das Gebiet der Psychotherapie begrenzt ist, sowie (Voll-) Heilpraktiker, die sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden behandeln dürfen.

Die Ausbildung der Heilpraktiker erfolgt üblicherweise an Heilpraktikerschulen und endet mit einer staatlichen Überprüfung und Anerkennung. Unterschiedliche Zusatzqualifikationen erweitern das Behandlungsspektrum vieler Heilpraktiker.

Heilpraktiker sind frei, unterschiedliche, auch alternative Therapieformen anzubieten, in denen sie sich ausbilden lassen. Viele spezialisieren sich auf bestimmte Therapieverfahren wie beispielsweise Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Systemische Therapie, aber auch Ansätze wie Hypnotherapie, Atem- und Stimmtherapie, Musik- und Kunsttherapie, NLP (Neurolinguistisches Programmieren), Existenzanalyse oder EFT. Viele Klienten finden darin genau die Behandlungsmethode außerhalb der kassenfinanzierten Therapien, die ihnen hilft. Häufig wählen Heilpraktiker für Psychotherapie als Schwerpunkt ihrer Arbeit bestimmte Bereiche, die von der gesetzlich geregelten Psychotherapie nicht abgedeckt wird, z.B. Stressbewältigung, allgemeine Lebenshilfe / Coaching, Hilfe bei Sinn- und Lebenskrisen, Burnout und Burnout-Prophylaxe, Ehe- und Paartherapie, Hilfe bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder Verkehrstherapie bzw. MPU-Beratung (Medizinisch-Psychologische Untersuchung).

Heilpraktiker dürfen keine Medikamente verordnen und haben keine Kassenanerkennung. In manchen Fällen übernehmen private Krankenkassen oder Zusatzversicherungen die Kosten einer Therapie. Auch wenn die Behandlung nicht von den gesetzlichen Kassen finanziert wird, entscheiden sich viele Menschen, die Hilfe suchen, bewusst für eine Beratung und Behandlung durch einen Heilpraktiker für Psychotherapie, weil sie dort die Methode finden, die ihnen bei der Lösung ihres Problems hilft. Ein Vorteil der privaten Abrechnung besteht darin, dass keine Aktenvermerke über psychische Probleme des Klienten angelegt werden.

Systemischer Berater und Therapeut

Systemische Berater und Therapeuten befassen sich in erster Linie mit der Stärkung der Ressourcen und Kompetenzen der Individuen und Gruppen, die sie beraten, unter besonderer Berücksichtigung ihres jeweiligen sozialen Systems. Systemische Beratung wird daher häufig auch als ressourcen- oder lösungsorientierte Beratung bezeichnet. Sie ist überwiegend prozessorientiert. Zu den weiteren Beratungssettings gehören

  • die systemische Organisationsberatung;
  • die systemische Führung;
  • systemisches Coaching; sowie
  • die systemische Supervision.

Bislang ist die Berufsbezeichnung “systemischer Berater” weder gesetzlich geschützt, noch gibt es ein allgemein anerkanntes und vorgeschriebenes Ausbildungskonzept. Gleichwohl bemühen sich die Systemische Gesellschaft (SG) und die Deutsche Gesellschaft für systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) um Ausbildungs- und Qualitätsstandards. Außerdem gibt es mittlerweile ein postgraduales Studium der systemischen Beratung, dass von der Technischen Universität Kaiserslautern angeboten wird.

Neben der systemischen Beratung bieten systemische Therapeuten außerdem die systemische Therapie an. Dabei handelt es sich um eine psychotherapeutische Heilbehandlung, wobei ein systemischer Therapeut sich offiziell nicht selbst als Psychotherapeut bezeichnen darf, da diese Bezeichnung gesetzlich geschützt ist und eine entsprechende Approbation voraussetzt. Die systemische Therapie wird aktuell in zahlreichen Medien diskutiert, uns es ist aktuell davon auszugehen, dass künftig auch die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine systemische Therapie unter bestimmten Voraussetzungen erstatten werden, weil die systemische Therapie ihre Wirksamkeit bei der Behandlung affektiver Störungen, Abhängigkeiten von Suchtstoffen, Schizophrenie sowie wahnhafter Störungen belegen konnte.

Psychiater

Psychiater sind Fachärzte für Psychiatrie und haben sich in ihrer Facharzt-Ausbildung intensiv mit der Entstehung und dem Verlauf psychischer Krankheiten befasst. Ihre Aufgabe ist es, diese Krankheiten zu erkennen, körperliche Ursachen festzustellen und  – oft mit Medikamenten (Psychopharmaka) – zu behandeln. Psychotherapie wird von Psychiatern eher selten angeboten.

In älteren Weiterbildungsordnungen gehörte der Bereich der Psychotherapie nicht zur Psychiater-Ausbildung. Ärzte, die damals ihre Ausbildung abgeschlossen haben, benötigen daher eine psychotherapeutische Zusatz-Weiterbildung, um die Bezeichnung „Psychotherapie“ oder „Psychoanalyse“ führen zu dürfen. In der neueren Facharztausbildung für Psychiatrie sowie für Kinder- und Jugend-Psychiatrie ist die Psychotherapie dagegen bereits Teil der Ausbildung, so dass der Arzt sich mit Abschluss der Ausbildung z. B. „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ nennen darf.

Psychiater sind – wie alle approbierten Ärzte – zur Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen berechtigt.

Neurologe

Aus der früher so genannten Tätigkeit des „Nervenarztes“ haben sich zwei moderne ärztliche Berufe herausgebildet: der Psychiater (Facharzt für die Behandlung psychischer Erkrankungen) sowie der Neurologe. Der Neurologe (Facharzt für Nervenheilkunde oder Facharzt für Neurologie) beschäftigt sich nicht mit dem seelischen Empfinden des Patienten. Seine Tätigkeit gilt dem Nervensystem des Menschen, d.h. er interessiert sich für die Leitfähigkeit der Nerven, beschäftigt sich mit Reflexen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen in der Haut. Auch für Erkrankungen wie ein Schlaganfall (Apoplex), Migräne oder Multiple Sklerose (MS), bei denen das Nervensystem beeinträchtigt wird, ist der Neurologe zuständig.

Manche Fachärzte sind sowohl Neurologen als auch Psychiater. Diese können sowohl körperliche als auch seelische Erkrankungen behandeln.

Neurologen dürfen Medikamente verordnen und können mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.