Psychotherapeutische Fernbehandlung nun möglich

Es ist eine nicht enden wollende Debatte, die sich um das Thema der telemedizinischen Versorgung dreht. Sie betrifft Ärzte sowie Psychotherapeuten, auch wenn die Befügnisse der beiden Berufsfelder nichr auf demselben Stand sind: so ist die ärztliche Fernbehandlung von Patienten, auch ohne persönlichen Erstkontakt, inzwischen keine Neuigkeit mehr wohingegen Psychotherapeuten noch mittendrin sind, im Kampf um die Fernbehandlungserlaubnis.

Doch peu à peu ergeben sich Lichtblicke: dieses Jahr tritt nicht nur die gesetzliche Grundlage für eine Kostenübernahme der Online-Psychotherapie durch Gesetzliche Krankenkassen (GKV) in Kraft, sondern wurde im November des vergangenen Jahres auch die Musterberufsordnung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aktualisiert. Der veränderte Paragraph 5 Absatz 5 schließt nun ausdrücklich die psychotherapeutische Fernbehandlung ein – unter der Einschränkung, dass die Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung in persönlichem Kontakt erfolgen und eine Fernbehandlung lediglich als ergänzend, nicht jedoch ausschließlich eingesetzt wird. Hierzu gibt es jedoch bereits Stimmen (wie die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer, ODK), die den Psychotherapeuten selbst frei stellen möchten, ob sie ihre Patienten zunächst persönlich kennenlernen möchten bevor sie die weitere Behandlung telemedizinisch vornehmen.

Die aus diesem Anlass aufgenommene Anpassung des besagten Paragraphen der Musterberufsordnung (MBO) lautet aktuell wie folgt:

“Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erbringen psychotherapeutische Behandlungen im persönlichen Kontakt. Behandlungen über Kommunikationsmedien sind unter besonderer Beachtung der Vorschriften der Berufsordnung, insbesondere der Sorgfaltspflichten, zulässig. Dazu gehört, dass Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung die Anwesenheit der Patientin oder des Patienten erfordern. […]”

Wichtig zu erwähnen bleibt, dass die Fernbehandlung keine Änderung in der Bedarfsplanung für psychotherapeutische Versorgung zulässt, da die Psychotherapeuten hierdurch nicht weniger ausgelastet sind und keine Zeit sparen. Patienten könnten hierdurch allerdings umso mehr Vorteile genießen: tatsächliche Zeitersparnis, Überbrückung von Entfernungen und Immobilität sowie urlaubs- oder umzugsbedingtem Therapieabbruch bzw. -unterbrechungen.

Was bei psychologischer Onlineberatung erlaubt und worauf im Speziellen zu achten ist, haben wir hier zusammengefasst.