Psychologische Folgen der Arbeitslosigkeit

 

 

Arbeitslosigkeit und deren psychologische Folgen – was der Jobverlust mit uns macht.

 

Über 50 Prozent der in der Bundesrepublik Deutschland registrierten Erwerbslosen sind Langzeitarbeitslose. Per Definition sind das Menschen, die bereits seit mindestens einem Jahr oder länger arbeitslos sind. De facto handelt es sich hierbei um rund 1,025 Millionen Langzeitarbeitslose in Deutschland, wodurch die Bundesrepublik damit an die Spitze der Alt-EU-Länder rückt. Die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit sind finanziell mitunter verheerend. Während die ersten 12 Monate der Erwerbslosigkeit in der Regel durch die Arbeitslosenversicherung abgedeckt werden und bis zu 67 Prozent des letzten Nettogehalts ausbezahlt werden, rutschen Langzeitarbeitslose hingegen direkt ins Hartz IV. Dies bedeutet für den potenziellen Langzeitarbeitslosen vor allem materielle Entbehrungen, aber oftmals auch den sozialen Abstieg. Neueste Forschungsergebnisse haben außerdem gezeigt, dass Langzeitarbeitslosigkeit auch immer einen negativen Einfluss auf die Psyche hat. So können durch Erwerbslosigkeit verursachte, psychosoziale Leiden sehr oft in Störungen des individuellen Wohlbefindens, in psychosomatischen Beschwerden oder gar in Depressionen münden. Innerhalb der nun folgenden Abschnitte sollen daher einmal alle materiellen, gesundheitlichen sowie sozialen Folgen der Arbeitslosigkeit aufgezeigt werden, wohin sich Betroffene in puncto psychologische Beratung wenden können.

 

Die Definition von Arbeitslosigkeit – ist diese immer gleich?

Arbeitslos ist per definitionem, wer über keinerlei bezahlte Arbeit verfügt. Hierbei kann es sich um ein Arbeitsverhältnis im Sinne des § 611a BGB handeln oder aber um eine freiberufliche, selbstständige oder unternehmerische Tätigkeit. Alle Arbeitsarten werden auch als Erwerbsarbeit bezeichnet. Entsprechend werden beispielsweise Schüler, Studenten, Rentner, Pensionäre oder sich in Elternzeit befindliche Eltern nicht als Erwerbslose bezeichnet. Von Erwerbslosigkeit wird daher erst dann gesprochen, wenn es sich dabei um eine unfreiwillige Erwerbslosigkeit handelt, die aufgrund einer Kündigung oder einer mangelnden Auftragslage zustande kommt. Gleichzeitig betrifft die in den folgenden Abschnitten als Grundlage genommene Form der Erwerbslosigkeit eine aussichtslose Form, bei der der Betroffene entweder keine neuen Jobangebote zugeteilt bekommt oder dieser nicht über die entsprechenden Qualifikationen hierfür verfügt und daher zwangsweise arbeitslos ist. Aber auch mentale sowie körperliche Gebrechen können unter Umständen in Erwerbslosigkeit resultieren, wenngleich der Gesetzgeber hier – so gut es geht – entgegenzuwirken versucht.

 

Psychologische Folgen der Erwerbslosigkeit

Handelt es sich um die erste persönliche Konfrontation mit der Erwerbslosigkeit, berichten Betroffene häufig von einer psychisch stark belastenden Krisensituation, beziehungsweise von einer gewissen Ohnmacht, an der individuellen Situation etwas ändern zu können. Für viele Betroffene kommt die eigene Kündigung demnach zwar nicht total überraschend, jedoch stellt diese in aller Regel dennoch eine einschneidende Erfahrung dar. Viele Erwerbslose sind mit dieser neuen Situation dann oftmals stark überfordert. Diese Überforderung resultiert dann in Stress, was häufig zu folgenden Auffälligkeiten, beziehungsweise destruktiven Handlungen führt:

  • Niedergeschlagenheit (verlangsamte Motorik, verringertes, soziales Interesse)
  • psychosomatische Beschwerden (zum Beispiel Kopf- und Rückenschmerzen)
  • Suizidgedanken
  • höheres Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle
  • allgemeine Immunschwäche (gekennzeichnet durch erhöhte Infektanfälligkeit)
  • deutliche Reduzierung der Lebenserwartung (aufgrund des durch die fehlende Arbeit auch ausbleibende, individuelle Wohlbefinden)
  • negative Verhaltensweisen und Gewohnheiten (zum Beispiel Alkohol- oder Tablettenmissbrauch)
  • erhöhte Wahrscheinlichkeit für Scheidungen

Zwar treten die beschriebenen Effekte nicht zwangsläufig mit Eintreten der Langzeitarbeitslosigkeit auf, jedoch sind diese vielerorts zu beobachten, wenn es sich an der Erwerbslosigkeit über einen langen Zeitraum nichts ändert. Insbesondere Erwerbslose, die davon ausgehen, bald wieder eine Arbeitsstelle zu haben, weisen häufig eine deutlich bessere Prognose auf.

 

Gefahren der Erwerbslosigkeit für die psychische Gesundheit

Sind die psychologischen Auswirkungen innerhalb der ersten Monate der Erwerbslosigkeit noch vergleichsweise gering, treten psychologische Effekte mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf, je länger die zwangsweise Erwerbslosigkeit andauert. Bei Langzeitarbeitslosen ist die Wahrscheinlichkeit, derartige Folgen zu erleiden, im Schnitt sogar um 100 Prozent erhöht!

Erwerbslosigkeit hat die ersten Wochen oder Monate häufig sogar einen positiven Effekt: Und zwar können Betroffene zunächst abschalten und die zusätzliche Freizeit genießen. Doch schon nach kurzer Zeit schlägt das anfängliche Wohlergehen in gewisse Spannungszustände um. Denn ist die Hoffnung auf eine schnelle Wiedereinstellung verblasst, erfahren Betroffene schnell Gefühle wie beispielsweise Hoffnungslosigkeit, Frustration, Niedergeschlagenheit oder Schwermütigkeit. Jene Gefühle treten häufig dann zutage, wenn die Erwerbslosigkeit entsprechend länger dauert, als erwartet. Einen zusätzlichen, negativen Effekt hierauf haben oftmals auch wiederholt abgelehnte Bewerbungen. Denn das Aussenden von Bewerbungen ist beim Bewerber häufig mit einer gewissen Erwartungshaltung, beziehungsweise einem Tatendrang verbunden. Wird diese enttäuscht, schlägt die Stimmung schnell ins Gegenteilige um. Bewerber mit eher geringen Hoffnungen, die nur wenige Bewerbungen raussenden, trifft dieser Effekt vielerorts nicht so stark.

Schwerwiegende Auswirkungen auf die psychologische Gesundheit hat eine Situation nämlich häufig dann, wenn diese nicht aktiv zu ändern ist und den Stellenwert der Erwerbsarbeit für den Betroffenen zwangsläufig anhebt. Der anfängliche Tatendrang, schnell wieder eine neue Stelle zu finden, kann mit der Zeit ebenfalls abnehmen. War der potenzielle Erwerbslose anfangs noch Feuer und Flamme, eine neue Arbeitsstelle zu finden, so kann sich dies nach unzähligen Bewerbungen und vielerlei eingetroffenen Absagen deutlich ändern. Viele Betroffene wagen dann oftmals den Sprung in die Selbstständigkeit, verschreiben sich der Familie oder suchen Ausgleich in eigenen Interessen oder Hobbys. Hingegen steckt der Großteil der Betroffenen die zwangsweise Dauererwerbslosigkeit überhaupt nicht gut weg. Gelingt der psychologische Anpassungsprozess nicht, so kann das mitunter schlimme Folgen für die psychische Gesundheit des Betroffenen haben:

  • psychologischer Teufelskreis (Depression, Verlust des Selbstvertrauens, mangelnde Überzeugungsfähigkeiten, fehlende Fertigkeiten bei der Selbstdarstellung)
  • labile Persönlichkeitsentwicklung (fortschreitende Schädigung des individuellen Selbstwertgefühls)
  • fortschreitende, finanzielle Instabilität drückt auf die seelische Verfassung
  • Gereiztheit, fehlende Offenheit und Verlust sozialer Kompetenzen (auch intrafamiliär)
  • psychologische Krankheiten (Depressionen, Angst- und Sozialstörungen)
  • Suchtkultivierung
  • gesundheitliche Vernachlässigung

Mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit beginnen sich die negativen Effekte allen Anscheins nach gegenseitig zu verstärken. Somit kommend nach und nach auch die psychische Stabilität ins Wanken und oftmals schnell auch die finanzielle Lage der Betroffenen.

 

Erwerbslosigkeit und deren finanzielle Folgen für die Betroffenen

Je weniger Geld der potenzielle Erwerbslose zur Verfügung hat, desto schwerwiegender wird die Situation empfunden. Häufig werden die negativen Folgen einer unerwarteten Erwerbslosigkeit zum Beispiel empfunden, wenn der Erwerbslose über einen ausreichenden, finanziellen Background (zum Beispiel in Form von Ersparnissen oder anderweitigen Einkünften) verfügt. Auch Menschen, die gern ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, die oft unbezahlt bleiben, empfinden die neue Erwerbslosenrolle als weniger schlimm. Grundsätzlich gilt: Der durch die Erwerbslosigkeit einhergehende Geldmangel führt zwar zunächst zu mehr Motivation bei der Jobsuche, langfristig tragen aber auch die finanziellen Effekte der Erwerbslosigkeit zu deren Verstärkung bei. Denn aufgrund von fehlenden, finanziellen Mitteln kann die Jobsuche nicht mehr adäquat gestaltet werden (das Geld für einen ordentlichen Anzug fehlt, Geld für Bewerbungsunterlagen fehlt usw.). Speziell Langzeitarbeitslose trifft die Erwerbslosigkeit (aus finanzieller Sicht) besonders hart, da diese aufgrund des Wegfalls von Arbeitslosengeld direkt ins Hartz IV abrutschen, was oftmals einen deutlichen, finanziellen Rückschritt zum vormals erhaltenen Arbeitslosengeld darstellt.

 

Daher jetzt eine psychologische Beratung bei mentavio erhalten

Die Folgen der Erwerbslosigkeit sind zwar individuell sehr verschieden, sollten aber unter keinen Umständen unterschätzt werden. Wie in allen Bereichen des Lebens, so gilt es auch hier: Vorsorgen ist besser als Nachsorgen! Potenziellen Betroffenen sei daher eine ganzheitliche, psychologische Beratung auf unserer mentalen Coaching-Plattform mentavio wirkenden Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen sowie Heilpraktiker:innen und auch Berater:innen ans Herz gelegt. Es handelt sich hierbei um einen vielseitigen Marktplatz für Therapien, Coachings und Beratungen für Karriere, mentale Gesundheit und Wohlbefinden.