Themenwoche Gewalt: Psychische Gewalt bei Erwachsenen

 

Im Rahmen der Anger Awareness Week widmen wir uns dieser Woche dem Thema Gewalt. Da mentavio psychologische Onlineberatung anbietet, fokussieren wir uns auf psychische Gewalt bei Erwachsenen (in diesem Artikel) und bei Kindern (am Freitag, 07.12.).

 

Zunächst eine Definition von Gewalt: Gewalt bedeutet über Dinge oder Menschen zu herrschen, meistens im Zusammenhang mit physischem und/oder psychischem Zwang, durch welchen Menschen und Dinge einer fremden Herrschaft unterworfen und durch sie geschädigt werden. Gewalt kann in verschiedenen Formen (physisch oder psychisch), durch verschiedene Akteure (bspw. Einzelpersonen, Personengruppen, gesellschaftliche Institutionen) und über verschiedene Zeiträume (einmalig, wiederholt oder als Dauerzustand) ausgeübt werden.

Die am häufigsten eingesetzten Formen von psychischer Gewalt differieren jenachdem, ob sie Erwachsenen oder Kindern widerfährt. Folgende werden häufig zur Unterwerfung von Erwachsenen eingesetzt:

  • Abwertung, Beschimpfung
  • Mobbing, Diffamierung (Verleumdung, üble Nachrede)
  • Abhängigmachen
  • Angst, Drohungen
  • Isolation, Kontaktverbot
  • Stalking, Terror

Unter häusliche Gewalt zählt übrigens nicht, wie oft vermutet, nur physische Machtausübung, sondern ebenfallsdie oben stehenden Formen, wie Isolation oder Stalking.

Gewalterfahrungen sind oft ein schneidendes, mitunter schicksalbestimmendes Gesundheits- und Lebensrisiko für Frauen sowie Männer. Sie beeinflussen die (psychische) Gesundheit der Opfer – und ihrer Täter. In einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland berichteten etwa 20% der Teilnehmenden über Opfer- und circa 10% über Tätererfahrungen psychischer Gewalt. Die Geschlechterverteilung unter den Opfern und Tätern zeigte keine signifikanten Unterschiede, während die Männerquote bei körperlicher Gewalt unter den Opfern sowie Tätern höher lag.

Bezüglich psychischer Gewaltopfererfahrungen gaben ca. 60% der Befragten eine starke oder sehr starke Beeinträchtigung ihres Befindens an (50% der weiblichen und 70% der männlichen Teilnehmer). Während Frauen im mittleren Alter (30-44J.) die höchste Beeinträchtigung ihrer Geschlechtergruppe angaben (73%), wurden in dieser Altersgruppe unter den Männern die geringsten Werte (46%) gemessen. Junge Männer (18-29J.) gaben die höchsten Werte (85%) an.

HILFE IN DER NOT
Wenn Sie selbst betroffen sind oder Sie mitbekommen, wie eine nahestehende Person oder NachbarIn unter Gewalt leidet, möchten wir Ihnen das Hilfetelefon bei (häuslicher) Gewalt nahelegen: 08000 – 116 016. Auf ihrer Webseite (vom Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben) können Sie sich, auch anonym (beispielsweise durch die Verwendung eines privaten Fensters des Mozilla Firefox-Browsers, für nähere Informationen bitte diesem Link folgen), umfassend informieren und Hilfe finden. Ob am Telefon, per E-Mail oder Chat – Ihnen kann auf 17 Sprachen (inklusive Gebärdensprache) geholfen werden! Auch bei der Polizei kann man sich unter der Rufnummer 110 melden!