“Nur noch ein Level bis zum Endgegner!”

Sucht hat viele Gesichter. Fängt es im kleinen, ungefährlichen Rahmen schon mit der Tasse Kaffee am Morgen an, auf die nicht verzichtet werden kann, so kann die Kontrolle über die Sucht dem Betroffenen auch schnell entgleiten und ernsthaft werden. Drogenabhängigkeit und Glücksspielsucht sind schon lange Zeit als psychische Störung anerkannt.
Im Juni 2018 hat sich die WHO dafür entschieden, auch die „Gambling disorder“ – also die Sucht bezüglich des Spielens am Computer und jeglichen anderen Konsolen in das ICD-11 (geplante Veröffentlichung für 2019) aufzunehmen. Das ICD ist die „International Classification of Diseases“ – eine offizielle Liste von Krankheiten und Störungen, die Ärzte und andere medizinische Fachkräfte zur Diagnostik und Erstellung von Behandlungsplänen nutzen. Die Kürzel des ICD sind vielen auch als Diagnoseschlüssel auf den Krankenscheinen und Überweisungen bekannt. Experten waren sich lange uneinig, ob Spielsucht eine eigene Störung ist oder doch eher eine Art Bewältigungsstrategie für Angst, Depression oder Stress. Jetzt wurden aber Diagnosekriterien festgelegt.

Innerhalb von zwölf Monaten müssen folgende Symptome aufgetreten sein:

  • mangelnde Kontrolle der Spielgewohnheiten
  • Priorisieren des Spielens über andere Interessen und Aktivitäten
  • Fortführen des Spielens, obwohl es negative Konsequenzen hat

Für eine Diagnose müssen diese Verhaltensweisen außerdem so stark ausgeprägt sein, dass sie das persönliche, soziale und familiäre Leben sowie Ausbildung und Arbeit negativ beeinflussen.
Spielsucht ist in vielen Aspekten anderen Süchten ähnlich. Betroffene investieren sehr viel Zeit und haben eine hohe emotionale Bindung an das Verhalten. Wenn jemand das Thema anspricht, verteidigen sie sich und rechtfertigen ihr Verhalten.
Mithilfe von Fragebögen, wie zum Beispiel der Internet Gaming Disorder Scale oder Interviews kann das Vorliegen und die Schwere der Sucht bestimmt werden.
Die Auswahl der Behandlungsmöglichkeiten ist vielfältig. Generell liegt der Fokus darauf, dysfunktionale Gedanken und Verhaltensweisen gemeinsam mit der betroffenen Person zu verändern. Darunter fällt zum Beispiel zu lernen, sein Verlangen zu kontrollieren und individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Damit einher geht oft eine starke allgemeine Veränderung des Lebensstils. Betroffene werden darin gefördert, eigene Stärken zu identifizieren, neue Hobbies aufzunehmen und persönliche Ziele zu formulieren.

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