Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) – Symptome & Therapie

Dieser Artikel fasst die wichtigsten Symptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zusammen und bietet einen Überblick relevanter Therapiemöglichkeiten.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung – Definition

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) ist eine psychosomatische Erkrankung. Sie ist abzugrenzen vom Narzissmus als reinem Persönlichkeitsmerkmal, das nicht pathologisch ist.

Eine NPS zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass das eigene Selbstwertgefühl krankhaft übersteigert ist. Zudem tendieren Menschen mit NPS dazu, andere Menschen emotional zu missbrauchen, denn Betroffene sind darauf fixiert, von Anderen anerkannt und geliebt zu werden.

Jedoch nicht auf eine gesunde Weise, sondern als zwanghafte Bestätigung der eigenen Grandiosität (narzisstische Bestätigung). Menschen mit NPS erkennen selten, dass sie an einer psychischen Störung leiden. Meist suchen eher ihre Opfer therapeutische Hilfe, denn Narzissten sehen sich – scheinbar naturgegeben – immer im Recht.

Es gibt festgelegte Diagnosekriterien für die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Von den folgenden Beschreibungen müssen mindestens fünf zutreffen, um eine Diagnose stellen zu können.

9 Zeichen für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung

Für die Diagnose ist der Symptomkatalog der American Psychiatric Association (DSM-5) besonders aussagekräftig.

1. Gefühl der eigenen Überlegenheit

Die Person ist auf die eigenen Leistungen und Erfolge fixiert und möchte – auch ohne diese Leistungen tatsächlich zu erbringen – als überlegen gelten.

2. Erfolgsfantasien

Die Person ist besessen mit Vorstellungen von Erfolg, Macht, Schönheit und Liebe.

3. Angebliche Einzigartigkeit

Die Person glaubt daran, absolut besonders zu sein und nur von selbst ausgewählten und angesehenen Personen wirklich verstanden zu werden.

4. Drang nach Bewunderung

Die Person möchte über die Maßen von anderen Menschen bewundert werden.

5. Anspruchsdenken

Eine Person mit NPS erwartet es, bevorzugt behandelt zu werden, und dass andere auf deren Erwartungen automatisch eingehen.

6. Zwischenmenschliche Ausbeutung

Eine Person mit NPS bewertet Beziehungen zu anderen Menschen nur nach dem eigenen Nutzen, besonders Partner und Kinder werden häufig emotional missbraucht.

7. Empathielosigkeit

Personen mit NPS sind nicht bereit, die Gefühle anderer Menschen anzuerkennen, Interesse an den Emotionen anderer erfolgt nur, wenn diese als wichtig für die eigene Person gesehen werden.

8. Neid

Menschen mit NPS sind häufig neidisch auf andere oder glauben, Andere wären neidisch auf ihn/sie.

9. Arroganz

Eine Person zeigt regelmäßig überhebliches Verhalten. / Eine Person verhält sich ständig überheblich.

Zusätzlich kann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung auch mittels des ICD-10 diagnostiziert werden, in diesem stehen jedoch die Kennzeichen einer allgemeinen Persönlichkeitsstörung im Fokus bzw. die NPS gilt als deren Subtyp.

Eine Frau sitzt auf einem Sofa im Hintergrund, im Vordergrund macht eine Therapeutin Notizen.

[alt: Eine Frau sitzt auf einem Sofa im Hintergrund, im Vordergrund macht eine Therapeutin Notizen.]

© SHVETS Production / Pexels

Typen von Menschen mit NPS

Früher ging man davon aus, dass Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung zwangsläufig extrovertiert und arrogant auftreten. Der Grund dafür war, dass Betroffene dieses Subtyps nach Außen am auffälligsten sind und häufig sogar gesellschaftlich erfolgreich. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es mindestens zwei Hauptformen der NPS gibt.

  1. Grandiose NPS – der Narzisst bezieht seinen alleinigen Selbstwert aus der Leistung und dem Erfolg nach Außen, z. B. öffentlicher Anerkennung.
  2. Introvertierte NPS – der “gescheiterte” Narzisst gibt sich verletzlich und introvertiert, allerdings nur, um andere Menschen für die Befriedigung seiner Bedürfnisse zu gewinnen.

Allgemein ließe sich sagen, dass Menschen mit grandioser NPS die Bestätigung ihres gesamten sozialen Umfelds suchen, während Betroffene mit introvertierter NPS die narzisstische Bestätigung gezielt über wenige Personen in ihrem direkten Umfeld einholen.

Wie entsteht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Über die Gründe für das Entstehen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt es verschiedene Ansichten. Viele Erklärungsmodelle stimmen aber darin überein, dass Erziehung und Prägung durch das Elternhaus das Entstehen einer NPS begünstigen.

Kindlicher Narzissmus ist ein normaler Teil der menschlichen Entwicklung. Er ist wichtig, weil Kinder über narzisstische Verhaltensweisen erst lernen, dass sie ein eigenes Selbst haben. Sie grenzen sich dadurch von den Eltern ab, formulieren eigene Bedürfnisse und Wünsche. Die Rolle der Eltern besteht darin, ihre Kinder in diesem Prozess zu begleiten und sie emotional zu unterstützen, wenn sie an ihre Grenzen stoßen.

Psychologinnen wie Alice Miller haben formuliert, dass bestimmte Verhaltensweisen und Erziehungsmethoden dazu führen können, dass ein Kind in seinem kindlichen Narzissmus verharrt und ihn nicht hinter sich lassen kann. Betroffene tragen diesen unverarbeiteten kindlichen Narzissmus ins Erwachsenenalter hinein und können dadurch eine NPS entwickeln.

Dies gilt insbesondere dann, wenn Eltern ihre Kinder emotional nicht auffangen und ihnen die normalen kindlich-narzisstischen Verhaltensweisen nicht zugestehen. Wenn diese nicht von den Eltern gespiegelt werden, lernt ein Kind, bestimmte Emotionen routinemäßig zu unterdrücken. Denn es will nicht riskieren, die Liebe der Eltern zu verlieren, da sein Leib und Leben von ihnen abhängt.

Oft sind es Eltern, die selbst eine narzisstisch gestörte Persönlichkeit haben, die ihre Kinder instrumentalisieren und am Ende zu Narzissten machen, so zumindest die theoretische Annahme. Auch Studien fanden heraus, dass sich Narzissmus teilweise in Familien vererbt. Es gibt jedoch unterschiedliche Herleitungen und Ansichten, wie genau diese Übertragung stattfindet.

NPS, emotionaler Missbrauch und Co-Narzissmus

Eine Pflanze steht auf einer Fensterbank, das Bild ist in dunklem Schwarz-Weiß aufgenommen.

Eine gravierende Eigenschaft der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist, dass Betroffene oft andere Menschen ausnutzen oder gar missbrauchen, um ihr Selbstbild aufrechtzuerhalten. Die Opfer werden sehr häufig selbst psychisch krank.

Dabei zählen zwei Personengruppen besonders häufig zu den Opfern:

  • die eigenen Kinder – Elternteile mit NPS fordern von ihren Kindern Bestätigung ein und verkehren damit die Eltern-Kind-Beziehung ins Gegenteil.
  • Sexualpartner*innen – Menschen mit NPS knüpfen emotionale Nähe und sexuelle Erfüllung in der Partnerschaft an die Befriedigung ihrer narzisstischen Bedürfnisse.

Menschen mit NPS sind darin geübt, die Menschen in ihrem Umfeld kühl und rational so auszuwählen, dass eine ideale Befriedigung ihre narzisstischen Bestätigung sichergestellt ist.

Dabei kann schon das Umwerben einer Person die obsessive Gestalt des love bombing annehmen: insbesondere Partner werden solange mit Liebe und Pflege überschüttet, bis sie die gewünschte Anerkennung zeigen. Sobald aber die Opfer diese Anerkennung nicht ständig aufrechterhalten, verkehrt sich das love bombing ins Gegenteil: sie werden vom narzisstisch gestörten Menschen abgewertet, gedemütigt oder bewusst manipuliert, z. B. mit Methoden des Gaslighting und mit Doppelbotschaften. Oft entsteht daraus ein Teufelskreis, der die Opfer mit erheblichen psychischen Schäden zurücklässt.

🎞️ Tipp: Ein Hollywood-Klassiker, der narzisstisches Gaslighting eindrücklich sichtbar macht, ist “Das Haus der Lady Alquist” (eng. Gaslight) mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle. Auch in einigen anderen Filmen und Serien werden Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung dargestellt.

Sie werden manchmal auch als Co-Narzissten bezeichnet, da sie ein Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen mit NPS entwickeln können, aus dem sie ohne fremde Hilfe nicht wieder herausfinden. Sie widmen sich ganz der Befriedigung der narzisstischen Bedürfnisse ihres Partners und fühlen sich damit unter Umständen sogar gebraucht und geschätzt. Es handelt sich dabei quasi um einen umgekehrten Narzissmus, da ihr Selbstwertgefühl komplett vom Menschen mit NPS abhängig ist, daher auch der Begriff “Co-Narzisst”.

Therapie einer NPS

Eine ältere Person hält einen bunten kleinen Ball in der Hand.

[alt: Eine ältere Person hält einen bunten kleinen Ball in der Hand.]

© Matthias Zomer / Pexels

Eine häufige Beobachtung ist, dass Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung selten therapeutische Hilfe suchen. Der Grund dafür ist, dass sie sich in der Regel nicht bewusst sind, dass sie an einer psychischen Störung leiden. Dementsprechend schwierig sind Diagnose und eine langfristig erfolgreiche Behandlung.

Das Ziel einer Gesprächstherapie ist es in jedem Fall, die Regulation des Selbstwertgefühls zu verändern. Der Patient soll lernen, selbst Verantwortung für sein Selbst zu übernehmen und es nicht von anderen Menschen abhängig zu machen.

Dazu muss der Patient zuerst lernen, wie sehr die narzisstische Persönlichkeitsstörung seine Wahrnehmung und seine Gefühle im realen Leben einschränkt. Wichtig ist es, dass sich die betroffene Person stets sicher fühlt und eine vertrauensvolle Beziehung zum Therapeuten entwickeln kann.

Eine Gesprächstherapie der NPS ist nicht selten zum Scheitern verurteilt. Denn Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung neigen dazu, ihre Therapeuten entweder als Bedrohung für das krankhaft übersteigerte Selbstwertgefühl wahrzunehmen oder als “Wunderheiler” maßlos zu überschätzen.

Wie eine Online-Therapie bei NPS helfen kann

Wie bereits beschrieben suchen Menschen, die an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, selten therapeutische Hilfe. Umso wichtiger kann es für Angehörige sein, sich professionell beraten zu lassen. Wenn Du vermutest, dass ein Mensch in Deinem nahen Umfeld von einer NPS-Symptomatik betroffen ist, kann eine Online-Beratung ein erster Schritt sein. Insbesondere, wenn es sich dabei um Deine Partnerin oder dein Partner handelt und Du eventuell von einer co-narzisstischen Abhängigkeit betroffen bist.

Unsere erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten stehen Dir bei all diesen Fragen mit fundiertem Wissen und ersten Handlungsempfehlungen gerne zu Seite.