Können Videospiele in der Zukunft Medikamente ersetzen?

In dem abschließenden Teil der ADHS Reihe (Teil 1 und Teil 2) soll es um das Videospiel „Project: Evo“ gehen, welchen ADHS-Patienten bei der Konzentration helfen soll und somit zukünftig eine alternative Therapiemethode darstellen könnte.

Dieses Videospiel soll laut dem amerikanischen Unternehmen Akili Interactive Labs die Symptome der betroffenen Kinder reduzieren und ihnen helfen, ihre Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und das Gedächtnis zu trainieren. Klingt erst einmal, als wäre es etwas, was unter Gehirnjogging oder ähnlichen Begriffen schon weltbekannt ist.
Doch das Besondere an „Project: Evo“ ist, dass während des Spielens die Gehirnströme des Spielenden gemessen werden. Aufgabe des Nutzers ist es, ein Alien einen bestimmten Weg entlang zu schicken, indem man das Tablet oder das Smartphone in die entsprechende Richtung neigt. Während das Alien navigiert wird, muss der Spielende außerdem auf erscheinende Reize auf dem Bildschirm reagieren, indem diese angetippt werden.
Über Neurofeedback wird diese Leistung gemessen. So besteht die Möglichkeit, in Echtzeit die Level zu modifizieren und das Gehirn damit optimal zu fordern und zu fördern. Eine Studie mit über 400 Teilnehmern zeigte sich Ende 2017 als sehr erfolgreich. Nächster Schritt für das Unternehmen ist es, das Spiel dem amerikanischen Gesundheitsministerium vorzulegen.
Akili Interactive arbeitet bereits an verschiedenen Unterarten des Spiels, um so auch Möglichkeiten für die Behandlung von autistischen Patienten und Menschen mit Angststörungen bieten zu können.

Auch in Deutschland werden bereits seit über 15 Jahren Videospiele mit einem ähnlichen Nutzen programmiert. Müssten die dann nicht schon deutlich erfolgreicher sein?
Und da kommt der Haken: bisher zeigte keins der bereits vorhandenen Spiele einen statistisch signifikanten Langzeitnutzen. Die Videospiele können immer nur die aktuelle Aufmerksamkeit des Kindes erfassen – diese aber wird von vielen Faktoren beeinflusst, nicht nur von der ADHS-Erkrankung an sich. Auch Müdigkeit, Ablenkung durch äußere Reize oder eigenes Unwohlsein sind nicht zu vernachlässigende Faktoren. Diese können mit Videospielen jedoch weder gemessen noch berücksichtigt werden. Zudem ist das Szenario des Spieles wenig alltagsrelevant, sodass das Kind daraus kaum positiven Nutzen für die alltägliche Beispiele ziehen kann.
Eine allgemeine, isolierte Förderung der Aufmerksamkeit ist durchaus möglich, dies wurde auch bereits von mehreren Studien bestätigt. Als eine erfolgreiche Therapie beziehungsweise ein wirksames Medikament kann man „Project: Evo“ jedoch erst bezeichnen, wenn es den Patienten gelingt, die verbesserte Aufmerksamkeit auch auf unterschiedlichste Alltagssituationen zu übertragen.
Bis jetzt ist das noch nicht möglich – aber wer weiß, was die Zukunft noch so für uns bereit hält.

Quelle: Nehmen Sie dieses Spiel dreimal täglich ein von Zeit online