Galerie berühmter psychologischer Persönlichkeiten – Teil 1

Große Frauen der Psychologie -Anna Freud und Mary Ainsworth

Diese Woche wollen wir euch insgesamt zehn mehr oder weniger bekannte psychologische Persönlichkeiten vorstellen. Denn hinter der Psychologie stecken weit mehr Menschen als nur Sigmund Freud. Also laden wir euch ein zu einer kleinen Zeitreise.
Unser erster Beitrag soll sich zwei Frauen widmen, die ganz unterschiedliche Fachgebiete weit vorangebracht haben.

Anna Freud (1895-1982)
Ja, richtig kombiniert – diese Frau ist die Tochter von Sigmund Freud. Als einziges von sechs Kindern trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters. Doch im Gegensatz zu ihrem Vater, dessen Augenmerk in der Psychoanalyse die Erwachsenen waren, lag ihr Fokus auf den Kindern. Zunächst arbeitete Anna als Volksschullehrerin, doch ihr Interesse galt von Anfang an der Psychoanalyse. Sie hospitierte regelmäßig bei ihrem Vater, um 1923 selbst in Wien eine eigene Praxis zu eröffnen. 1936 veröffentlichte Anna ihre Erkenntnisse aus der Psychoanalyse in dem Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“. Dort beschreibt sie zehn grundlegende psychologische Abwehrmechanismen, wie zum Beispiel die Verdrängung. Diese sorgt dafür, dass bedrohliche und tabuisierte Wünsche und Vorstellungen unbewusst bleiben, also gar nicht ins Bewusstsein eindringen.
Ein großer Schnitt in ihrem Leben war die Flucht nach London im Jahr 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Die Familie musste flüchten, da sie Juden waren. In London gründete sie gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin Dorothy Burlingham die „Hampstead Nurseries“, ein Heim, in welchem sie Kriegskinder und Waisen betreuten.  Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die beiden die Nurseries aus, die Klinik wurde zu einem international anerkannten Institut für Kindertherapie. Die dort gelehrte Therapiemethode war die Kinderpsychoanalyse. Der Fokus lag vor allem auf der Analyse kriegstraumatisierter Kinder. Bis zu ihrem Tod gilt sie als eine der berühmtesten Psychoanalytikerinnen und neben Melanie Klein als Mitbegründerin der Kinderanalyse.

Mary Ainsworth (1913-1999)
Mary Ainsworth war eine US-amerikanisch-kanadische Entwicklungspsychologin und gemeinsam mit John Bowlby Hauptvertreterin der Bindungstheorie.
Sie begann 1929 mit ihrem Psychologiestudium an der University of Toronto, welches Ainsworth 1939 mit ihrer Dissertation beendete. Anschließend arbeitete sie mehrere Jahre als Dozentin. Gleichzeitig stellte sie ihre bekannte Typologie des Bindungsverhaltens vor – unsicher-vermeidend vs. sicher vs. unsicher-ambivalent. Genaueres dazu kann man hier nachlesen.
Nach ihrer Hochzeit 1950 folgte Mary Ainsworth ihrem Ehemann nach London und trat da im gleichen Jahr eine Stelle beim Psychologen John Bowlby an. Der Fokus der Forschung lag damals auf dem Einfluss der Trennung von Mutter und Kind auf die kindliche Entwicklung. Im weiteren Verlauf beschäftigte sie sich viel mit wissenschaftlichen Längsschnittstudien zur Mutter-Kind-Interaktion im ersten Lebensjahr durch. Mit ihrer Forschung konnte Ainsworth aufzeigen, dass die Bindungstypen im Verlauf eines Lebens relativ stabil bleiben. Diese Aussage kann bis heute mit weiterer Forschung unterstützt werden.