Die Psychotherapieverfahren im Überblick – Teil 1 Verhaltenstherapie

Drei Psychotherapieverfahren sind von den deutschen Krankenkassen schon lange anerkannt, die Übernahme der vierten wurde Ende November 2018 beschlossen. Diese Woche wollen wir in drei Beiträgen über die Psychotherapieverfahren aufklären und einen kurzen Ausblick auf das „neue“ Verfahren geben.

Den Anfang der Reihe macht die klassische Verhaltenstherapie. Diese wurde vom Psychologen John B. Watson Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt. Der Fokus dieser Therapieform liegt auf dem derzeitigen Verhalten, den Einstellungen und der aktuellen Gefühlslage des Patienten und weniger auf seiner Biografie.


Auf welchen Methoden basiert die Verhaltenstherapie und wie läuft sie ab?
Diesem Verfahren zufolge ist unser Leben durch Lernvorgänge geprägt. Der Grundgedanke ist also, dass jede Verhaltensweise erlernt und somit auch wieder verlernt beziehungsweise durch neue, passendere Verhaltensweisen überspielt werden kann. Zusätzlich stärken positive und schwächen negative Erfahrungen, wie häufig bestimmte Verhaltensweisen gezeigt werden. Durch diese Veränderungen soll der Patient schlussendlich zur Selbsthilfe angeleitet werden.
Bei der Verhaltenstherapie bespricht der Therapeut mit dem Patienten die aktuelle Situation und welche Probleme daraus entstehen. Probleme aus der Vergangenheit oder gar aus der Kindheit werden dabei nicht aufgearbeitet. Ist das derzeitige Problem identifiziert und analysiert, können die Patienten gemeinsam mit dem Therapeuten ziel- und lösungsorientiert arbeiten. Wichtig ist hierbei auch ein Therapievertrag. In diesem halten Therapeut und Patient gemeinsam fest, welche Ziele am Ende der Therapie erreicht sein sollen.

Therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie sind unter anderem Konfrontationsverfahren wie zum Beispiel die Exposition mit angstauslösenden Reizen oder die Verstärkung von Verhaltensweisen durch Belohnung. Die Konfrontationstherapie kommt vor allem bei Angst- und Zwangsstörungen zum Einsatz. Der Patient wird unter Anleitung des Therapeuten Schritt für Schritt an die individuell triggernden Reize herangeführt. Das können zum Beispiel bei Angst vor Spinnen die Betrachtung bis hin zur Berührung einer Spinne sein. Dabei erlebt der Patient, dass die Angst zunächst sehr ansteigt und er zu einer Fluchtreaktion neigt. Bei Zwangsstörungen ist es ähnlich. Doch Ziel der Konfrontation ist es dem Patienten zu zeigen, dass sich die Angst nicht ins Unermessliche steigern kann beziehungsweise nichts Schlimmes passiert, wenn die Zwangshandlung nicht ausgeführt wird. So bekommt der Patient die Chance, sich an die Angst zu gewöhnen, die Fluchtreaktion zu vermeiden und die Zwänge sozusagen zu „verlernen“.  
Eine zweite, sehr bekannte Technik ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei sind, wie das Wort kognitiv schon vermuten lässt, Einstellungen, Überzeugungen und Gedanken des Patienten relevant. Anstatt gemeinsam an den Verhaltensweisen zu verändern, arbeiten der Therapeut und der Patient daran, dessen Reaktionen und Sichtweisen auf bestimmte Situationen zu verändern. So kann man negative Einstellungen gegen positivere ersetzen, was besonders häufig bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz kommt. Aber auch selbstwertmindernde Gedanken, wie zum Beispiel „Ich bin zu dick“ können so durch rationalere Überzeugungen ersetzt werden. Hierbei bietet sich auch an, immer wiederkehrende Gedanken zu sammeln, um an diesen zu arbeiten.


Für welche psychische Probleme eignet sich eine Verhaltenstherapie besonders und wie lange dauert sie durchschnittlich?
Verhaltenstherapie ist für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene geeignet. Bewährt hat sich die Verhaltenstherapie bei Depressionen, Ängsten, Essstörungen, Sucht und Zwängen.  Aber auch bei Lebenskrisen oder Burnout hat sich die Verhaltenstherapie als geeignet gezeigt. Diese Therapieform läuft grundsätzlich ohne die zusätzliche Verwendung von Medikamenten ab.
Die gesetzlichen Krankenkassen unterscheiden zwischen Kurzzeittherapie und Langzeittherapie, welche durchschnittlich zwischen 25 und 45 Stunden dauern.

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