Diagnostik und Behandlung der Panikstörung und Agoraphobie

Nachdem wir in den vorherigen Blogbeiträgen schon auf die Panikstörung und Agoraphobie genauer eingegangen sind, soll sich heute alles um die Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten dieser beiden Störungen drehen.

Bei dem Verdacht einer Panikstörung empfiehlt es sich, zunächst einen Hausarzt aufzusuchen, um körperliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen.
Die Symptome einer Panikattacke können nämlich auch aufgrund physischer Krankheiten auftreten. Dazu gehören unter anderem:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
  • Epilepsie

Wird auf der körperlichen Ebene nichts gefunden, folgt eine Überweisung an einen Therapeuten. Diese nutzen zur Diagnostik häufig Fragebögen und/oder standardisierte Interviews. Bei den Fragebögen unterscheidet man zwischen Fremdbeurteilungs- und Selbstbeurteilungsbögen. Die Namen sind dahingehend schon ziemlich selbsterklärend – bei Fremdbeurteilungsbögen erfolgt die Einschätzung während des Gesprächs des Therapeuten mit dem Patienten. Ein relativ bekannter Fragebogen zur Beurteilung der Angst ist die Hamilton-Angstskala (HAMA).
Bei Selbstbeurteilungsbögen schätzt der Patient selbstständig seine Beschwerden ein. Häufig genutzt wird dafür das State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI).
Auch für die Agoraphobie gibt es dann dementsprechend spezialisierte Diagnoseinstrumente.


Behandlung

Generell gilt, wie so oft: je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Erfolgschancen der Behandlung.
Als Goldstandard der Behandlung kommen für die beiden Störungen die kognitive Verhaltenstherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva in Frage. Bei einer besonders schweren Ausprägung bietet sich auch eine Kombination aus beiden an.

Der erste Schritt jeder Art von Intervention sollte aber immer die Psychoedukation sein, also die ausführliche Aufklärung des Patienten über seine Störung. Dazu gehören unter anderem die Auflistung der typischen Symptome und die Versicherung, dass auch andere Personen unter dieser Störung leiden und man damit nicht alleine ist.
So absurd es auch klingt ist bei der kognitiven Verhaltenstherapie dann der zweite Schritt, willentlich beim Patienten eine Panikattacke zu provozieren. Das gelingt zum Beispiel durch schnelles, tiefes Atmen oder das Erzeugen von Schwindel. Damit werden dem Patienten zwei verschiedene Dinge aufgezeigt:
1. Zum ersten Mal hat er selbst die Kontrolle über die Panikattacke.
2. Der Patient bemerkt, dass diese Symptome nicht immer nur durch sein befürchtetes, schlimmes Szenario, wie z.B. einen Herzinfarkt, ausgelöst werden, sondern beispielsweise auch schon, wenn man sich zu lange im Kreis dreht.

Im Folgenden soll sich der Patient dann immer häufiger und länger seiner Angst stellen. Im Laufe der Zeit nimmt die Angst dann ab und die Panikattacken werden weniger intensiv, im besten Falle natürlich insgesamt weniger. Bei Betroffenen mit einer Agoraphobie gehört in dieser Phase außerdem dazu, sich immer weiter von sicheren Orten zu entfernen und zum Beispiel einen Supermarkt aufzusuchen.
Zur medikamentösen Behandlung von Panikstörungen und Agoraphobie haben sich Antidepressiva bewährt, insbesondere SSRIs, also Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Ebenfalls wirksam sind Benzodiazepine, welche jedoch ein sehr hohes Suchtpotenzial haben.

Zudem ist es wichtig, gemeinsam mit dem Therapeuten eine Art „Notfallplan“ zu erstellen. Dieser soll greifen, wenn unerwarteterweise die Angst stark zurückkehrt und der Patient sich in einer Panikattacke gefangen fühlt. Dazu können zum Beispiel Atemübungen gehören. Dabei wird bewusst langsam geatmet, um Hyperventilation zu vermeiden.  Auch Stressvermeidung gehört zur Rückfallprophylaxe. Wichtig ist es, während des Alltags immer wieder Ruhepausen zu haben und genügend zu schlafen. Vielen Patienten hilft es ebenfalls, auf Koffein zu verzichten.

Mit Hilfe der Behandlung lässt sich die Panikstörung und auch die Agoraphobie gut in den Griff kriegen. Etwa 80% der Patienten erfahren eine deutliche Besserung und erzielen mittels Therapie einen langfristigen Erfolg.

Wenn du das Gefühl hast, dass du Hilfe benötigst, suche bitte deinen Hausarzt auf. Auch unsere Therapeuten bei mentavio können dich mit einem Beratungsgespräch unterstützen.