Depressionen: Symptome erkennen und rechtzeitig professionelle Hilfe suchen

Depressionen sind mehr als schlechte LauneDepressionen sind eine ernsthafte Erkrankung

Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag, fühlt sich unzufrieden, ist mies gelaunt oder einfach nur “schlecht drauf”. Glücklicherweise sind solche Befindlichkeiten nicht immer von Dauer, sondern lassen in den meisten Fällen nach einem oder wenigen Tagen wieder nach und machen Platz für eine ausgeglichenere Stimmung. 

Anders verhält es sich hingegen mit einer Depression. Depressionen sind eine ernste Erkrankung der menschlichen Psyche. Jeder kann ungeachtet des Alters, des Geschlechts oder der sozialen Herkunft an einer Depression erkranken. Bei einer Depression ist die Lebensqualität stark herabgesetzt. Eine Vielzahl von Betroffenen nimmt überhaupt keine Lebensfreude mehr wahr und empfindet stattdessen ein andauerndes Gefühl innerer Leere. Die drei Kernsymptome einer Depression sind:

  • eine gedrückte (depressive) Stimmung;
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit; sowie
  • eine Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit (oft selbst nach kleinen Anstrengungen) sowie die Einschränkung von Aktivitäten in Alltag und Freizeit.

Was die Symptome einer Depression betrifft, wird jedoch weiter unten im Text noch einmal detailliert erläutert.

Auslöser und Ursachen von Depressionen

Die Ursachen bzw. Auslöser einer Depression können äußerst vielfältig sein, wobei der rezidivierende/chronische Verlauf  einer Depression von großer Relevanz ist: So gibt es im Vorfeld einer ersten depressiven Episode oft erkennbare Probleme im Leben der Betroffenen. Dazu zählt beispielsweise der Verlust des Lebenspartners oder eines Angehörigen, des Arbeitsplatzes, des Betriebs und dergleichen.  Die späteren Episoden einer Depression treten jedoch oft ohne erkennbaren Auslöser auf, unmittelbare Ursachen lassen sich dann nicht mehr erkennen.

Risikogruppen

Frauen scheinen im Vergleich zu Männern besonders häufig von Depressionen betroffen zu sein, denn das Geschlechterverhältnis bei Depressionen liegt statistisch bei etwa 2:1. Allerdings könnte dieses Verhältnis auch der Tatsache geschuldet sein, dass Männer, die unter Depressionen leiden, sich in vielen Fällen nicht trauen, über ihr Problem zu sprechen und professionelle Hilfe anzunehmen. Wie auch immer: Frauen sind im Schnitt doppelt so oft von Depressionen betroffen wie Männer und stellen somit eine Risikogruppe dar.

In den folgenden Rubriken werden die Anzeichen beziehungsweise die Symptome einer Depression erläutert. Abschließend sind Ratschläge zur Hilfe bei Depressionen aufgeführt.

Symptome einer Depression:

Bei jedem Betroffenen drückt sich eine Depression unterschiedlich aus. Einen einheitlichen Krankheitsverlauf mit allgemeiner Gültigkeit gibt nicht. Auch nimmt nicht jeder Patient eine gedrückte Stimmung wahr, sondern fühlt sich mitunter unruhig. Außerdem können sich weitere psychische Erkrankungen (Komorbiditäten) wie Angst- und Panikstörungen, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit, Essstörungen, somatoforme Störungen, Zwangserkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen zur Depression “dazugesellen“.

  • Häufig wird ein Betroffener zunächst wegen anderer Beschwerden bei seinem Hausarzt vorstellig. Eine depressive Stimmung steht dabei oftmals gar nicht im Vordergrund. So klagen Patienten mit atypischen Depressionen (ICD-10 Code: F32.8) zum Beispiel über ein erhöhtes Schlafbedürfnis (Hypersomnie) oder einen gesteigerten Appetit (Hyperphagie), statt über Schlaf- und Appetitlosigkeit.

  • Von der atypischen Depression zu unterscheiden ist die larvierte Depression. Man versteht darunter eine depressive Episode, die mit körperlichen Beschwerden einhergeht oder sich, anders ausgedrückt, hinter diesen Beschwerden verbirgt. Larvierte Depressionen stellen kein eigenständiges Krankheitsbild dar.

Entwicklung der Symptome einer Depression:

In der Regel setzen die Symptome einer Depression nicht schlagartig ein, sondern entwickeln sich in einem Prozess von Wochen, Monaten oder mitunter von Jahren. Die klassischen Symptome einer Depression umfassen gemäß den Diagnosekriterien nach ICD-10 folgende Merkmale:

Haupt-/Kernsymptome depressiver Episoden sind nach der ICD-10 [231] (siehe dort Kapitel F32):

  • depressive, gedrückte Stimmung;
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit;
  • Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit (oft selbst nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkung.

Darüber hinaus sind nach den Diagnosekriterien der ICD-10 (Kapitel F32) nachfolgende Zusatzsymptome möglich:

  1. verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit;
  2. vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen;
  3. Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit;
  4. negative und pessimistische Zukunftsperspektiven;
  5. Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen;
  6. Schlafstörungen; sowie
  7. Appetitlosigkeit

Insbesondere männliche Patienten fallen darüber hinaus durch eine aggressive Tendenz und durch unvorhersehbare Stimmungsschwankungen bis hin zu Wutausbrüchen auf.

Schweregrad einer Depression 

Der Schweregrad einer Depression wird in leicht, mittelschwer und schwer unterteilt. Der Schweregrad richtet sich nach der Anzahl der erfüllten Haupt- und Zusatzsymptome. Bei einer schweren Depression müssen alle drei Hauptsymptome vorliegen, des Weiteren mindestens vier Zusatzsymptome.

Die übrigen Kriterien für das Vorliegen einer Depression beziehen sich auf den zeitlichen Aspekt: Die Symptome einer Depression müssen mindestens zwei Wochen lang an der Mehrzahl der Tage bestehen bleiben.

Hilfe bei Depressionen:

Bei einer Depression sollte so schnell wie möglich professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Auf diese Weise lassen sich ein chronischer Verlauf und eine Verschlechterung des bisherigen Zustandes oft noch rechtzeitig aufhalten.

Die Frage nach dem adäquaten Heilungsansatz bei einer Depression hängt vom Schweregrad der Depression, dem bisherigen Erkrankungsverlauf und den Wünschen des Betroffenen ab. Zu den zentralen Behandlungsstrategien gehören die medikamentöse Behandlung, die psychotherapeutische Behandlung sowie die Kombination aus diesen beiden Behandlungsstrategien. Sowohl die medikamentöse als auch die psychotherapeutische Behandlung kann ambulant in einer Praxis oder stationär im Krankenhaus erfolgen.

Für eine erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient ausschlaggebend. Bei den Therapiestunden muss sich der Betroffene emotional öffnen können. Dies ist nicht möglich, wenn er sich in der Praxis unwohl fühlt und/oder der Therapeut ihm nicht mit Empathie begegnet.

Wie kann Hilfe bei Depressionen seitens der Angehörigen erfolgen?

Als nahestehende Person kann man den Betroffenen dazu ermutigen, offen über seine Empfindungen zu sprechen, falls er das Bedürfnis zum Reden verspürt. Eine Unterstützung durch Bekannte oder Familienangehörige kann nützlich sein, ersetzt jedoch keine Therapie. Zudem können ‘gut gemeinte’ Hilfsvorschläge dem Betroffenen am Ende mehr schaden als nützen, wenn sie zwanghaft durchgesetzt werden und seine Interessen nicht berücksichtigen. Es ist auch kein grundsätzlicher Anlass zur Sorge, wenn ein Betroffener keine privaten Ratschläge hinsichtlich seiner Situation wünscht oder den Kontakt zu bestimmten Freunden nicht mehr aufrechterhalten möchte. Jeder Patient muss seinen eigenen individuellen Weg finden, mit der Krankheit angemessen umzugehen.

Hilfe bei Depressionen: Was tun bei Selbstmordgefahr?

Im Fall einer akuten Suizidgefahr oder der Gefahr einer Fremdverletzung ist unverzüglich der Rettungsdienst zu verständigen. Dafür gibt praktisch überall auf der Welt gebührenfreie Einwahlnummern. Die Rufnummern für Deutschland, Österreich und die Schweiz lauten: 

Deutschland: 112 (Feuerwehr/Rettung)

Österreich: 144 (Rettungsdienst)

Schweiz: 144 (Sanität) 

Der eingetroffene Rettungsdienst weist den suizidalen Patienten in eine Psychiatrie oder alternativ in ein Krankenhaus mit psychiatrischer Abteilung ein. Dort erhält der Betroffene umgehend ärztliche Betreuung. Nach Ermessen des Arztes kann ein längerer stationärer Aufenthalt erforderlich sein.

Psychotherapeutische Onlineberatung bei Depressionen über mentavio?

Betroffene, die unter Depressionen leiden, sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen oder sich im akuten Notfall an die oben genannten Rufnummern wenden, da Onlineberatung und Psychotherapie online eine persönliche Untersuchung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten in der Praxis oder Klinik vor Ort weder ersetzen können noch sollen. Im Rahmen einer Psychotherapie kann die Onlinetherapie eventuell komplementär eingesetzt werden, sofern dies aus medizinischen Gründen nicht kontraindiziert ist. Darüber entscheidet jedoch immer der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut. Die psychologische Beratung bei mentavio eignet sich jedoch für Angehörige von Betroffenen, die sich genauer über die Krankheit informieren möchten oder Ratschläge zum Umgang mit einer depressiven Person einholen möchten.