ADHS bei Kindern – Symptome & Behandlung

Es ist völlig normal, dass Kinder gelegentlich ihre Hausaufgaben vergessen, im Unterricht unkonzentriert sind oder am Esstisch zappeln.

Doch anhaltende Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität können auch Anzeichen für ADHS sein.

In unserem Beitrag verraten wir Dir unter anderem, was ADHS bedeutet, welche die typischen ADHS-Symptome sind und wie Du Dein Kind unterstützen kannst, die Störung zu bewältigen.

Was ist ADHS?

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und gehört zu den häufigsten neurologischen Entwicklungsstörungen im Kindesalter, bei der sich bestimmte Bereiche des Gehirns anders entwickeln.

Dadurch fällt es Kindern mit ADHS schwer,

  • aufmerksam zu bleiben,
  • sich zu fokussieren,
  • impulsive Verhaltensweisen zu kontrollieren (sie handeln, ohne über die Folgen nachzudenken).

Sie werden von Reizen aus der Umgebung förmlich überflutet und können diese nicht aktiv filtern.

Es existiert auch eine Variante ohne ausgeprägte Hyperaktivität, die als ADS, also Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, bezeichnet wird.

Ursachen von ADHS

Forscher gehen davon aus, dass für ADHS bei Kindern eine Kombination verschiedener Faktoren verantwortlich ist.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Hirnverletzungen
  • Umwelteinflüsse (z. B. Exposition gegenüber Blei in jungen Jahren oder im Mutterleib)
  • Alkohol-, Drogen- oder Nikotinkonsum während der Schwangerschaft
  • Frühgeburt
  • niedriges Geburtsgewicht
  • psychosoziale Faktoren (z. B. familiäre Instabilität, häufige Kritik oder Bestrafungen, beengte Wohnverhältnisse)

Interessant: Viele glauben, dass auch zu viel Zucker oder übermäßiger Medienkonsum ADHS verursachen, wobei Studien diese Annahmen nicht belegen.

Eine Mutter spielt mit ihrem Kind, das Kind lacht

Ist ADHS vererbbar?

Viele Eltern, deren Kind mit ADHS diagnostiziert wurde, stellen sich diese Frage.

Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen haben Kinder, deren Eltern oder Geschwister am Syndrom leiden, ein höheres Risiko, ADHS-Symptome zu entwickeln. Allerdings sind auch Fälle bekannt, wo die Personen trotz einer familiären Vorbelastung nicht an ADHS erkranken.

Die häufigsten ADHS-Symptome

Bei Kindern und Jugendlichen stechen vor allem drei ADHS-Symptome ins Auge, die in der Regel spätestens in der Grundschule zum Vorschein kommen.

Leichte Ablenkbarkeit

Kindern mit ADHS fällt es sehr schwer, einer Sache für eine längere Zeit Aufmerksamkeit zu schenken. Sie werden schon durch Kleinigkeiten leicht abgelenkt und können sich nicht konzentrieren.

Die negativen Auswirkungen zeigen sich vor allem in der Schule, denn betroffene Schulkinder haben dadurch Probleme, die Hausaufgaben fertig zu machen oder dem Unterricht zu folgen.

Zudem werden angefangene Aktivitäten oder Spiele oftmals frühzeitig abgebrochen.

Hyperaktivität

Ein weiteres ADHS-Symptom ist starker Bewegungsdrang, wobei vor allem das Stillsitzen fast oder gar unmöglich ist.

Solche Hyperaktivität kann sich bei Grundschulkindern zum Beispiel so zeigen, dass sie während des Unterrichts über Tische oder Bänke steigen.

Impulsivität

Kinder mit ADHS haben große Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle. Sie fallen anderen ins Wort, beginnen mit einer Aufgabe, bevor die Anleitungen zu Ende erklärt wurden, stehen auf, wenn eigentlich sitzenbleiben erwartet wird usw.

Wichtig: Diese drei Symptome sind ziemlich unspezifisch und können nicht nur bei ADHS auftreten, sondern auch bei anderen Krankheiten. Auch gesunde Kinder sind von Zeit zur Zeit unaufmerksam, hyperaktiv oder handeln unkontrolliert. Doch verglichen mit einem Kind mit ADHS führt ein solches Verhalten nicht zu Auffälligkeiten in der Schule und allgemein im Sozialleben.

Wie wird ADHS bei Kindern behandelt? (Therapie)

Die Behandlung von ADHS kann verschiedene Formen annehmen.

Als Grundlage einer Therapie dient immer eine fachliche Diagnose. Erstellt wird diese anhand der festgelegten ADHS-Diagnosekriterien von Kinder- und Jugendpsychiatern bzw. erfahrenen Kinder- und Jugendärzten, die sich auf ADHS spezialisiert haben.

Welche Therapie anschließend angewendet wird, hängt davon ab,

  • wie alt das Kind ist,
  • ob es mehr unaufmerksam oder hyperaktiv ist,
  • wo es öfter verhaltensauffällig ist (z. B. zu Hause oder in der Schule),
  • wie stark die Störung alle Beteiligten belastet.

Die Behandlungsmethoden reichen von Elternschulungen und -beratungen, Psychotherapie bis hin zu Medikamenten.

Wichtig: ADHS-Medikamente können zwar die Symptome lindern, sind aber niemals als alleinige Therapiemöglichkeit denkbar. Deshalb sollte die Behandlung mit Medikamenten immer in Verbindung mit anderen pädagogischen, sozialen und psychotherapeutischen Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Ein kleines Mädchen spielt mit einem Basketball

So kannst Du Dein Kind unterstützen (Tipps für Eltern)

Für ein Kind mit ADHS ist Konsistenz entscheidend.

Eltern und Betreuer müssen dafür den Umgang mit dem Kind anpassen – d. h. die Sprache, Gestik, Umgebung usw.

Durch einen unterstützenden und strukturierten Ansatz kannst Du nämlich dazu beitragen, dass Dein Kind bestimmte Verhaltensweisen besser kontrolliert und dadurch auch sein volles Potential entfalten kann.

Dazu haben wir ein Paar Tipps für Dich vorbereitet.

  • Lobe und ermutige gutes Verhalten; Gutes Benehmen sollte durch Lob zusätzlich verstärkt werden. Denn für Kinder mit ADHS ist es besonders wichtig zu lernen, welche Verhaltensweisen akzeptabel und als positiv empfunden werden.
  • Fördere körperliche Aktivität; Viel Bewegung kann wahre Wunder bewirken, denn dadurch werden hyperaktive Verhaltensweisen reduziert, das Gehirn stimuliert und die Konzentration gefördert. Du kannst Deinem Kind z. B. einen Ball, ein Springseil geben oder es zu einem Mannschaftssport anmelden – je nachdem, welche Sportart Dein Kind bevorzugt.
  • Setze erreichbare Ziele: Für Menschen mit ADHS können manche Aufgaben zu komplex und abschreckend erscheinen. Deshalb solltest Du für Dein Kind erreichbare Ziele setzen. Wenn Du es bittest, das Zimmer aufzuräumen, kann dies in mehrere kleinere Aufgaben aufgeteilt werden – z. B. das Bett machen, das Spielzeug in die Regale einräumen, die Kleidung falten.

💡 Auch bei mentavio stehen Dir unsere erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten für alle Fragen rund um ADHS zur Verfügung und unterstützen Dich und Dein Kind mit fundiertem Wissen und ersten Handlungsempfehlungen.

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